Medworth-Projekt
Mannheim [MVV Mannheim] Drei Fragen an Dr. Hansjörg Roll, Technikvorstand von MVV, zur Bedeutung der thermischen Abfallbehandlung (TAB) für die Transformation des Energiesystems. Das Medworth-Projekt ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der MVV. Wie bedeutend ist die thermische Abfallbehandlung für die Transformation des Energiesystems? Abfälle als Energiequelle sind ein wichtiger Eckpfeiler einer modernen,
ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft. Aus nicht recyclebaren Abfällen können wir klimafreundlich Strom und optional Dampf und Wärme erzeugen. In Mannheim ist das bereits Realität. Die Abwärme aus der thermischen Abfallbehandlung speisen wir ins Fernwärmenetz ein und Unternehmen nutzen den hier erzeugten Dampf für industrielle Produktionsprozesse. Auch in der geplanten Anlage Medworth im Vereinigten Königreich erzeugen wir Strom für rund 150.000 Haushalte und können Unternehmen Prozesswärme zur Verfügung stellen.
Bei der Verbrennung der Abfälle wird CO2 freigesetzt. Wieso gelten der erzeugte Strom und die Wärme dann trotzdem als klimafreundlich? Abfälle für die thermische Abfallbehandlung sind nicht wiederverwertbar und gelten als unvermeidbar. Durch die Verwendung zur Energieerzeugung können an anderer Stelle fossile Energieträger und CO2-Emissionen eingespart werden. Zudem sind fünfzig Prozent dieser Abfälle biogenen Ursprungs, beispielsweise Holz, Papier, Küchen- und Gartenabfällen. Die Verwertung dieser Abfälle ist klimaneutral, weil dabei nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie zuvor durch biologisches Wachstum der Atmosphäre entzogen wurde.
In diesem biogenen Bestandteil der unvermeidbaren Abfälle liegt zudem der Schlüssel, um mit der thermischen Abfallbehandlung perspektivisch Negativemissionen zu erzielen. Negativemissionen bedeutet, dass thermische Abfallbehandlungsanlagen die Möglichkeit bieten der Atmosphäre langfristig CO2 zu entziehen? Wie würde das konkret funktionieren? Wir können das CO2 im Rauchgas abscheiden und speichern. In Mannheim haben wir das an einer Pilotanlage erfolgreich erprobt. Es gelangt nicht mehr in die Atmosphäre und wir erzielen Negativemissionen. Diese sind für die Erreichung der Klimaziele in Deutschland und der EU unverzichtbar. Deutschland muss seine Treibhausgasemissionen bis 2045 auf „Netto-Null“ senken.
Aber selbst bei einer konsequenten Dekarbonisierung des Energiesektors verbleiben unvermeidbare Restemissionen, zum Beispiel aus industriellen Prozessen oder in der Landwirtschaft. BECCUS-Technologien (Bioenergy with Carbon Capture, Utilization or Storage) können dabei eine zentrale Rolle spielen, um diese auszugleichen. Dies ist auch politischer Konsens, und zwar über Parteigrenzen hinaus. Allerdings ist der Ordnungs- und Regulierungsrahmen in Deutschland aktuell nicht so ausgelegt, dass BECCUS-Projekte wirtschaftlich betrieben werden können. Viele Länder, darunter auch Großbritannien, sind diesbezüglich bereits weiter. Die Lage des Standorts Medworth in der Nähe von CO2- Speicherstätten bietet zusätzliche Vorteile.




















































